136. Wie viele noch? Irina Heinrichs über Femizid, Vergebung und Aufklärung
Shownotes
Irina Heinrichs ist 39 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, begleitet als Coachin Frauen auf ihrem persönlichen Weg und engagiert sich seit 2024 im ZONTA Club Westfälischer Friede in Osnabrück. 2020 wurde Irinas Mutter von ihrem Ehemann auf offener Straße ermordet – eine erschütternde Tat, über die Irina offen mit uns spricht. Sie erzählt von ihrem ersten Besuch beim Vater im Gefängnis, ohne jede Einsicht von seiner Seite, und von einem zweiten Besuch: ohne Vorwürfe, nur mit dem Wunsch, ihm zu begegnen. Erst danach fand sie inneren Frieden und das Gefühl, alles für ihren eigenen Heilungsprozess getan zu haben.
Über eine Protestaktion gegen Femizide in Berlin, fand Irina den Weg zu Prof. Dr. Kristina Wolff und dem Buch „Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide“, in dem sie ihre Geschichte teilt. Sie berichtet, wie sie heute mit guten und schweren Tagen lebt, von der täglichen Praxis der Vergebung und von ihrer Arbeit mit einer Schule, wo sie Jugendlichen von ihren Erfahrungen erzählt. Projekte wie die orangen ZONTA‑Bänke oder Ausstellungen zu häuslicher Gewalt zeigen ihr, wie viel Aufklärung bewirkt. Irinas Stärke und ihr Wunsch, aus Schmerz etwas Sinnstiftendes zu schaffen, wirken weit über ihre eigene Geschichte hinaus – und berühren Susanne und Ute tief.
Transkript anzeigen
00:00:13: Herzlich willkommen zum Zornter Podcast.
00:00:15: Ich bin Susanne
00:00:17: und ich bin Ute und unser Podcast erscheint alle vierzehn Tage rund um das Thema Frau und Mädchen auf allen gängigen Plattformen.
00:00:29: Ja und heute haben wir Irina Heinrichs zu Gast.
00:00:34: Irina, ich freue mich sehr, dass du Zeit für uns hast.
00:00:37: Herzlich willkommen.
00:00:38: Danke für die Einladung.
00:00:41: Ja, Irina ist Mitglied im Sonntagclub aus einer brückwestfälischer Friede und Irina, du bist Mitglied geworden bei Sonntag, weil dir beziehungsweise deiner Familie etwas widerfahren ist, was man nicht erleben möchte und wo wir als Sonntiens uns entschieden dagegen stellen, denn in deiner Familie ist ein Femizid passiert.
00:01:05: Deine Mutter ist von deinem Vater erschossen worden.
00:01:09: Und das ist natürlich jetzt eine relativ krasse Einleitung ins Thema.
00:01:15: Aber ich freue mich, dass du Zeit für uns hast, dass du das mal so als Betroffene mit uns diskutierst.
00:01:22: Aber ich würde mich sehr freuen, wenn du dich erst mal ein bisschen vorstellst.
00:01:27: Wer bist du eigentlich?
00:01:28: Was machst du?
00:01:30: Genau, mein Name ist Irina.
00:01:31: Ich bin oder werde dieses Jahr vierzig Jahre jung.
00:01:36: und bin verheiratet habe zwei Kinder und bin getrennt lebend im Moment.
00:01:48: Ich arbeite als Assistentin der Geschäftsleitung und habe nachdem das mit meiner Mama passiert ist, noch eine Coaching-Ausbildung gemacht und arbeite da jetzt mit Frauen zusammen.
00:02:01: Ja, danke erst mal für dieses Intro.
00:02:04: Und wir haben vorher besprochen, dass wir sehr offen über dieses Erlebnis sprechen dürfen.
00:02:10: Wir haben im Podcast schon viel über Femizide gesprochen, mit Menschen, die bei der Polizei sind oder bei Frauenhäusern oder sonst etwas.
00:02:22: Aber ich glaube, wir hatten eigentlich noch niemanden, der selbst in der Familie einen Femizid erlebt hat.
00:02:28: Vielleicht magst du mal schildern.
00:02:31: Das ist jetzt schon eine ganze Weile, liegt es zurück, ist es im Jahr?
00:02:35: ist es im Jahr?
00:02:35: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:36: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:37: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:38: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:38: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:40: ist es zurück, ist es im Jahr?
00:02:40: ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist
00:02:43: es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück,
00:02:50: ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück,
00:02:52: ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück, ist es zurück.
00:03:00: Und mein Vater ist mit dieser Trennung eben nicht zurechtbekommen.
00:03:05: Und fünf Wochen nach der Trennung hat er sie dann hier bei uns im Ort, wo wir leben, auf offener Straße erschossen.
00:03:14: Unfassbare Geschichte.
00:03:17: Ja.
00:03:18: Du hast es aufgearbeitet, du hast viel darüber nachgedacht.
00:03:24: Was sind so diese ... Gedanken dazu.
00:03:27: Das ist ja das Schlimmste, was einem so passieren kann.
00:03:30: Schrecklicher geht es ja nicht.
00:03:32: Genau, also das ist etwas, was man sich wirklich nicht ausmalen kann, nicht vorstellen kann, vorher auch gar nicht drüber nachdenkt über sowas, ja, über das ganze Geschehen und Erlebnis.
00:03:46: Und als uns das getroffen hat, habe ich mich auch zum Thema Femizide nicht beschäftigt.
00:03:52: Ich kannte das Wort noch nicht mal.
00:03:54: Und du bist dann wirklich wie in so einer Blase in einer ganz anderen Welt, wo du fühlst dich so abgetapselt vom Rest der Welt und trotzdem dreht sich diese Welt aber weiter.
00:04:10: Und du hast eben das Gefühl, dass dir so der Boden unter den Füßen weggerissen wird.
00:04:17: Also dieses Ohnmachtsgefühl, das war wirklich das Schlimmste.
00:04:22: was man da so hatte neben dieser Trauer der Wut und dem Schmerz, der einen begleitet in der Zeit, weil dieses Fundament, mit dem du aufgewachsen bist, haben was dir Werte beigebracht hat, was dein Vater, deine Mutter, dich ja gezeigt haben.
00:04:44: Du bist ja nur deswegen auch der Welt.
00:04:46: Das bricht... so völlig weg.
00:04:48: Und wenn der eigene Vater das der eigene Mutter antut, dann ist das so, also das Urvertrauen, was du so ins Leben hast, wird wirklich stark erschüttert.
00:05:01: Und da wieder hinzukommen, dem Leben wieder zu vertrauen, Männern zu vertrauen, das ist ein Weg, den man dann geht und es dauert, bis man, bis man dann da wieder angekommen ist, genau.
00:05:18: wenn ich das mal so nachfragen darf, war das jetzt spielte Gewalt denn bei deinem Vater oder zwischen deinem Vater und deiner Mutter eine Rolle oder ist das völlig unvorbereitet gekommen?
00:05:34: Also damit, so wie es ausgegangen ist, hat niemand von uns gerechnet und Gewalt hat ja viele Facetten.
00:05:43: Also das ist auch etwas, was ich im Nachhinein kennengelernt habe.
00:05:47: nachdem ich mich angefangen habe, mit der Thematik zu beschäftigen.
00:05:51: Das Gewalt eben nicht die Faust im Gesicht alleine ist, sondern dass es eben viel schichtig ist.
00:06:01: Und ich habe nie gesehen, dass mein Vater meiner Mutter handgreiflich gegenüber gewesen ist.
00:06:09: Wir haben als Kinder schon was abbekommen.
00:06:12: Also ich habe noch eine jüngere Schwester und noch einen jüngeren Bruder.
00:06:17: Und uns gegenüber in der Kindheit ist er handgreiflich gewesen.
00:06:24: Und ansonsten war er ein sehr aufbrausender Mensch, sehr impulsiv, vor schnell hoch, vor eine Decke.
00:06:36: Das hat man im Alltag schon mitbekommen und erlebt, also wenn dann irgendwie, ja.
00:06:43: Ich kann jetzt gar kein Beispiel nennen.
00:06:45: Es passierte halt oft so im Alltag, dass man dann seine Laune zu spüren bekommen hat.
00:06:53: Je älter wir geworden sind, desto weniger war das mit den Handgreiflichkeiten uns gegenüber und hörte dann natürlich irgendwann mal auf.
00:07:00: Aber diese verbale Gewalt, die war immer immer da und die zog sich auch jetzt bis bis zuletzt hin.
00:07:07: Das ist so das... diese verbale Gewalt, war das was vordergründig oder welche Gewaltart, wenn es denn so eine gibt, wäre das die Verbale, wenn ich das so beschreiben würde, genau.
00:07:24: Und dein Vater ist jetzt im Gefängnis.
00:07:26: oder wie was für eine Strafe?
00:07:31: Es gab ein halbes Jahr nach der Tat, gab es die Gerichtsverhandlung?
00:07:37: die aus fünf Prozesttagen bestand, an denen habe ich auch teilgenommen.
00:07:41: Ich war an allen fünf Prozesttagen im Gericht, weil ich das für mich auch gebrauchte, aber mein Kopf hat es nicht verstanden, was da passiert ist.
00:07:53: Ich habe von vornherein gewusst, ich werde an dieser Gerichtsverhandlung teilnehmen und ihm gegenüber sitzen, um zu verstehen, was dort einfach geschehen ist.
00:08:09: Das hat aber nach der Gerichtshandlung nicht stattgefunden.
00:08:11: Ich habe das immer noch nicht verstanden gehabt.
00:08:15: Aber er ist wegen Mordes verurteilt worden.
00:08:19: Also die Anklageschrift, die erste die kam, die war auf Totschlag geschrieben und dann hat er die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermittelt und dann wurde die Anklage auf Mord geändert.
00:08:35: Und er ist auch wegen Wortes verurteilt worden zu lebenslangerhaft.
00:08:41: Und du hast jetzt wahrscheinlich auch keinen Kontakt mehr zu ihm, wenn ich mich da rein denke.
00:08:46: oder bist du noch im Kontakt mit ihm?
00:08:51: Es gibt Kontakt.
00:08:52: Ich habe ihn auch in diesen sechs Jahren zweimal besucht.
00:08:59: weil auch das irgendwie, weil eben nach dieser Gerichtsverhandlung noch so viele Fragezeichen da waren und man kocht das eben nicht verstanden hat, warum und wieso und weshalb er das gemacht hat.
00:09:09: Fast ein Jahr nach der Gerichtsverhandlung habe ich dieses ganz starke Bedürfnis gehabt, ihn zu besuchen und ihm das nochmal zu fragen.
00:09:19: Und dann bin ich auch hingefahren.
00:09:22: Und hatte aber so Sondergenehmigung beantragt oder nachgefragt, weil ich auf keinen Fall alleine mit ihm sein wollte.
00:09:30: Ich wollte, dass das jemand begleitet und ich wollte das auch nicht in diesem normalen Besuchszimmer, der JVA haben.
00:09:36: Und wir befanden uns damals ja auch noch in der Corona-Zeit.
00:09:42: Es wurde alles sofort genehmigt.
00:09:45: Ich durfte in einem, ja, zwar wie so eine Einfeldfälle mit ihm sitzen.
00:09:51: Sein Psychologe war dabei, der das Gespräch begleitet hat.
00:09:58: Aber still, der hat kein Wort gesagt, der saß einfach nur im Aum mit dabei.
00:10:03: Und wir haben auch länger miteinander sprechen dürfen, wie diese normalen, forty Minuten Besuchszeit, die man sonst hat.
00:10:11: Und das Gespräch oder der Besuch war also war schrecklich für mich.
00:10:19: weil überhaupt gar keine Einsicht da war.
00:10:26: Er steckte immer noch in dieser Opferrolle und hat Schuldumkehr betrieben und die Schulter meiner Mutter gesucht.
00:10:38: Es kam nur Vorwürfe und er konnte auch keinen Blickkontakt zu mir halten.
00:10:45: Und dann sind wir auseinandergegangen.
00:10:50: Und dann sind noch mal zwei Jahre vergangen, dann habe ich ihn zweites Mal besucht.
00:10:55: In dieser Zeit hatte ich schon meine Coaching-Ausbildung als Life Trust Coach abgeschlossen, habe dann angefangen, mich anders mit meinem Schicksal auseinanderzusetzen, habe andere Fragen an mich und an das Leben gestellt und bin dann noch mal zu ihm gefahren.
00:11:18: Und dieses Mal aber ganz ohne Vorwürfe auch meinerseits und auch die Frage nach dem, warum habe ich dann auch zu Hause gelassen und bin dann einfach hingefahren, um meinen Vater zu besuchen, denn das ist er ja immer noch.
00:11:35: Also ich habe zwar irgendwie gefühlt beides verloren, Vater und Mutter gleichzeitig, weil so wird es das ja nicht mehr geben, das Verhältnis zu ihm, wie es vor der Tat war.
00:11:48: Und trotzdem ist das ja immer noch irgendwie.
00:11:51: Und dieses Gespräch war dann wirklich anders.
00:11:56: Wir haben uns über Banalitäten unterhalten.
00:11:59: Also wie geht es mir, meinen Kindern, meinen Geschwistern?
00:12:02: Wie sieht sein Alltag aus?
00:12:05: Und das fand auch ganz normal im Besuchsraum statt.
00:12:10: Auch nur die forty-fünf Minuten, die man sonst hat.
00:12:14: Und dann sind wir auseinandergegangen und für mich war dieser zweite Besuch wirklich Befreiend.
00:12:22: Ich bin rausgegangen.
00:12:24: Ich habe zwar dann Rott und Wasser vor der JVA geholt und diese Anspannung und dieser Adrenalin-Kick, den man dann hat und diese ganze Angst, die ist dann so abgefallen.
00:12:36: Und ich habe ganz viel geweint, aber es war noch ein anderes Gefühl da und das überwog trotzdem.
00:12:45: Ich hatte so einen inneren Frieden.
00:12:46: Ich war mit mir selber im Reinen.
00:12:53: weil ich gedacht habe, ich habe alles für mich mögliche gemacht, um damit klarzukommen, um auch auf ihn zuzugehen und ich kann mir einfach nichts vorwerfen oder mich hinterher schuldig fühlen, hätte ich mal doch irgendwie was getan.
00:13:16: Ich habe für mich in meiner Machtstehende alles gemacht, um dem so vollumfänglich zu zu begegnen und ich bin wirklich mit einem ganz tiefen Frieden für mich selber da rausgegangen und ich nenne das auch Vergebung, was da so passiert ist, also in mir drin.
00:13:40: Und Vergebung bedeutet für mich auch nicht irgendwie zu jemandem hinzugehen und ihm das irgendwie ins Gesicht zu sagen, sondern wirklich, das in mir selber zu suchen, damit ich diesen inneren Frieden habe und damit ich für mich gut damit weiterleben kann, weil es gehört zu meinem Leben.
00:14:02: Es ist immer ein Teil davon sein.
00:14:05: Und das ist auch ein Stück weit, was ich mit in den Tonterklub bringe, um eben auf dieses Thema aufmerksam zu machen.
00:14:13: Ich habe nämlich vorher überhaupt gar nicht gewusst, was ist ein Chemizid, wie oft passiert das eigentlich?
00:14:18: Und du kannst ja jeden Tag die Zeitung aufschlagen.
00:14:21: Es ist voll davon.
00:14:22: Es ist passiert fast täglich in Deutschland.
00:14:26: eben auf das Thema aufmerksam zu machen.
00:14:29: Wie häufig das passiert, wie häufig Frauen Gewalt erfahren.
00:14:34: Nicht nur Frauen, auch Mädchen, das geht ja schon ganz früh los.
00:14:37: Und das, das treibt mich eigentlich an, so mit meiner Geschichte umzugehen und daraus eben... doch noch was Positives zu machen.
00:14:50: Ich finde das ganz interessant.
00:14:52: Du hattest vorhin im Vorgespräch gesagt, also wir haben gerade schon gesagt, sechs Jahre ist es her, du hast eine Therapie begonnen, du hast dann mit Veit Lindau gearbeitet.
00:15:01: Das war das, was du gerade erzählt hast.
00:15:05: Du hast dich dem Sonntagclub angeschlossen.
00:15:08: Das ist vielleicht auch interessant.
00:15:12: finde ich spannend, dass du den Zonterklub überhaupt gefunden hast.
00:15:15: Und das ist natürlich für uns als Zontjens schön, dass wir sichtbar sein können.
00:15:20: Oder in Osnabrück war es, glaube ich, über die Orangenbänke und all diese Themen, die der Zonterklub da gemacht hat, sodass du dann auch Zonter gefunden hast.
00:15:33: Du kannst vielleicht auch noch mal erzählen.
00:15:34: Du hast an einem Buchprojekt teilgenommen von der Christina Wolf.
00:15:40: Das ist ein Buch, wo es um Femizide geht.
00:15:44: Das heißt, wie viele noch?
00:15:47: Vielleicht kannst du noch mal schildern, wie bist du da in Kontakt gekommen?
00:15:54: Es ist irgendwann mal, weil meine Schwester und ich uns dann mit dem Thema angefangen haben, auseinanderzusetzen.
00:16:02: ist meine Schwester auf ein Foto im Internet gestoßen von einer Demonstrationsaktion, die in Berlin am Brandenburger Tor stattfand.
00:16:15: Da waren Frauen aufgereiht, die auf ihrem Oberkörper Namen von getöteten Frauen aus dem Jahr gestorben sind und wie alt die Frauen waren.
00:16:30: Und dort ist eben ein Foto aufgetaucht mit den Daten unserer Mutter.
00:16:35: Und wir waren natürlich jetzt total erschrocken und haben gedacht, oh, was ist das für eine Aktion?
00:16:41: Wo kommen die Leute an die Daten her?
00:16:43: Wer steckt dahinter?
00:16:44: Und was soll das alles überhaupt?
00:16:47: Und dann ist das aber so ein bisschen eingeschlafen, weil wir, also damals ging es uns nicht gut.
00:16:53: Wir konnten das nicht nachverfolgen.
00:16:56: Aber es ging mir nie aus dem Kopf und irgendwann, wo es mir besser ging und ich ein bisschen stabiler war, habe ich mich dann doch auf die Suche gemacht nach dem Hintergrund dessen und bin dann auf Christina Wolf gestoßen, habe die Kontaktdaten dann rausgesucht und mich mit ihren Verbindungen gesetzt und sie hat mir das dann eben erzählt, dass das der dass sie in Zusammenarbeit mit Femen Deutschland diese Protestaktion da organisiert hat.
00:17:31: Die machen das auch einmal im Jahr.
00:17:34: Und so sind wir in Kontakt gekommen und irgendwann riecht sie mich an und hat gesagt, Mensch, ich habe eigentlich schon seit Jahren ein Traum.
00:17:41: Ich würde gerne ein Buch veröffentlichen zum Thema Femizide, weil sie da schon sehr, sehr lange zu forscht.
00:17:48: Und wie würde gerne betroffenen Frauen, die eben keine Stimme mehr haben?
00:17:54: oder eine gewaltvolle Beziehung erlebt haben und überlebt haben, eine Stimme geben und sucht Frauen, die ihre Geschichte in den Buch teilen.
00:18:05: und ob ich nicht gerne mitmachen möchte.
00:18:07: Und so sind wir mit zehn anderen oder wir sind insgesamt zehn Frauen, die sich mit beteiligt haben und dort zu Wort kommen.
00:18:19: Ja, das Buch oder den Hinweis auf das Buch können wir auf jeden Fall auch noch mal im Text schreiben, sodass man das gut finden kann.
00:18:28: Dr.
00:18:28: Christina Wolff und der Titel ist Wie viele noch Deutschlands gebilligte Femizide.
00:18:36: Ja, wie kannst du?
00:18:39: Du hast uns ja ein bisschen berichtet, was du alles unternommen hast.
00:18:44: Dein Vater vergeben, hast du gerade gesagt, wie kannst du in die Zukunft gehen?
00:18:49: Wie kannst du weiter leben mit diesem Erlebnis, was ja einfach zu dir gehört?
00:18:57: Also es ist immer, es ist immer so ein Spiel von, also da gibt es immer, es gibt immer Tage, wo es mir mal nicht gut geht, wo das Ganze dann nochmal hoch kommt, also gerade so.
00:19:14: um Weihnachten um.
00:19:15: Also meine Mutter ist am neunzwanzigsten November ausgezogen.
00:19:18: Da geht das dann immer schon so los, dass der Kopf sich automatisch anfängt damit zu beschäftigen.
00:19:24: Dann fehlen natürlich zwei Menschen, die nicht mehr mit am Tisch sitzen zur Weihnachten und man ist nur noch so mit seinen Geschristern und der eigenen Familie.
00:19:34: Dann kommt der Jahreswechsel und am fünften Januar ist der Todestag.
00:19:39: Also das ist immer so für mich eine ganz schlimme Zeit.
00:19:43: wo man das Ganze immer noch, auch nach sechs Jahren, immer wieder erlebt und dann auch zwischendurch immer noch trotzdem wütend ist, wenn man dann da so drinnen steckt.
00:19:56: Also Vergebung ist immer ein Weg.
00:19:58: Und ich glaube, das ist irgendwie so eine, wie mit der Achtsamkeit, auch eine Praxis, die man jeden Tag immer wieder aufs Neue durchführen muss.
00:20:12: weil wir uns immer auch uns selber Sachen zu vergeben haben und anderen zu vergeben haben.
00:20:18: Und das ist eben ein Teil und der Weg und wie ich das so schaffe, in dem ich mich bei ganz vielen Projekten beteilige.
00:20:31: Ich arbeite zum Beispiel auch mit der Ortsansäfigen Schule zusammen.
00:20:35: Da ist bei einer roten Schuhaktion, die wir organisiert haben, der Schulsozialarbeiter, der wohnt in Osnabrück, arbeitet aber hier bei uns im Ort an der Schule, durch ebenfalls eine orangische Bank des Zonterklubs auf die Zontaufbauern von Zontiens aufmerksam geworden.
00:20:54: Bei einer roten Schuhaktion habe ich ihn kennengelernt und er machte mich dann sofort, Mensch, hast du nicht Lust?
00:21:02: mit uns an der Schule zusammenzuarbeiten.
00:21:04: Wir machen das einmal im Jahr mit den zehnten Klassen, dass wir das Thema häusliche Gewalt bearbeiten und ich könnte mir gut vorstellen, dass du mit dazukommst.
00:21:15: Es gibt in Ostnandrück die Ausstellung Großenstraße, das ist eine aktive Wohnung, die eingerichtet worden ist von der Diakonie.
00:21:28: Das ist eine Dauerausstellung.
00:21:30: Die haben wir als Tonther Club auch schon mal besucht.
00:21:33: Und du gehst durch diese Wohnung und findest wirklich überall versteckte Hinweise auf häusliche Gewalt.
00:21:40: Also du kommst rein und es sieht wie eine ganz normale Wohnung aus.
00:21:46: Auf den ersten Blick siehst du es nicht.
00:21:47: Aber dann liegt da in der Küche zum Beispiel ein Haushaltsbuch, wo die Frau wirklich regelmäßig aufschreiben musste, was hat sie eingekauft, was hat sie dafür ausgegeben.
00:21:59: Und die Kommentare des Mannes sind dann mit einem Rotstift daneben geschrieben.
00:22:03: Dann hatte sie sich eine Mascara für zwei neun neunzig gekauft und dann schreibt er ja, wofür brauchst du die denn?
00:22:09: Brauchst sich gar nicht schminken.
00:22:11: Also bei solchen Sachen fängt das schon an.
00:22:15: Im Kinderzimmer sieht man ein Tagebuch der Kinder, wo die dann reinschreiben.
00:22:20: Ja, Mama und Papa streiten sich schon wieder und.
00:22:25: im Badezimmer hinten postet auf dem Spiegel, tut mir leid, kommt nicht wieder vor, also da hat er sie wiedergeschlagen.
00:22:31: und man geht dann so durch und die Schule mit der ich zusammen arbeite, die fahren mit den zehnten Klassen da auch immer hin und gehen durch diese Ausstellung.
00:22:43: Und ganz zum Schluss, also die arbeiten das Thema in der Schule auf, dann besuchen sie die Ausstellung und ganz zum Schluss komme ich dann für einen Tag in die Schule und berichte dann nochmal.
00:22:55: aus meinen Erlebnissen, aus meiner Sicht, auf das Thema häusliche Gewalt und Phoenixine.
00:23:00: Sehr, sehr spannend.
00:23:02: Das ist gerade auch ein Thema, was wir mal so ein bisschen angedacht haben, ob wir mit Schulen insgesamt mehr zusammenarbeiten können.
00:23:11: Ich finde das ganz, ganz toll, dass du dich dem Zeunterklub angeschlossen hast und ich freue mich auch, dass offensichtlich das Engagement von Sontha in diesem schrecklichen Thema, dass es aber doch wahrgenommen wird und dass wir wenigstens im Kleinen dort wirksam sein können.
00:23:31: Ich glaube, ihr Osnabrückerin, ihr seid da natürlich wirklich ganz weit vorne mit den vielen, vielen Orangenbänken, mit eurem großen Engagement auch von Lydia in den sozialen Medien und so.
00:23:44: Das ist wirklich sehr beeindruckend und ich findest ganz toll, dass du als Betroffene da deinen Beitrag leistest.
00:23:54: Ich weiß gar nicht genau, was ich sagen soll.
00:23:56: Man ist ein bisschen sprachlos.
00:23:58: Man kann so wenig sagen dazu.
00:24:00: Du hast auch ganz viele Fragen, die man so im Kopf hatte, schon von ganz alleine beantwortet.
00:24:07: Ich hatte auch zwischendurch nochmal so gedacht, Mensch, zeig dein Vater Reue, da hast du
00:24:13: das durch...
00:24:14: Das erste Gespräch gesagt, nee, das ist nicht vorhanden.
00:24:17: Dann, wie es sich aus mit Vergebung, fand ich jetzt nochmal ganz berührend, dass du vor allem sagst, dass du selber in dir Vergebung gefunden hast und dass das nicht unbedingt etwas ist, was jetzt von deinem Vater oder umgekehrt kommen muss.
00:24:37: Ich glaube, das ist nochmal ein ganz wichtiges Thema und es ist... wie Susanne schon gesagt hat, einfach ganz wunderbar, dass du mit diesem Thema an die Öffentlichkeit gehst und auch Zonter so unterstützt.
00:24:51: Und ich bin eigentlich jetzt nochmal ganz motiviert, dass wir da auch weiter machen.
00:24:56: Man denkt ja immer so, sieht das jemand, die ganzen orangen Matildas und ist das überhaupt sinnvoll und so.
00:25:03: Aber wenn ich das dann wieder höre, dann weiß ich ja.
00:25:07: Es macht alles Sinn und bin dir ganz dankbar für deine Offenheit.
00:25:12: Bin gerade auch ganz, ganz berührt und kann da gar nicht mehr viel zu sagen außer wirklich vielen lieben Dank.
00:25:23: Ja, sehr gerne.
00:25:25: Das wären auch meine Schlussworte gewesen.
00:25:29: Ein sehr nachdenklich machendes und berührendes Gespräch.
00:25:34: Dafür vielen.
00:25:35: Dank Irina und ich denke, wir werden uns in der Zonterwelt weiter über den Weg laufen und versuchen einen Unterschied zu machen und Stück für Stück weiter auf dieses Thema Femizide aufmerksam zu machen.
00:25:50: Dir und deiner Familie, denn darüber haben wir jetzt nicht gesprochen, auch deine Kinder sind natürlich beeinflusst von dem Thema, ganz viel gute Gedanken, ganz viel einen guten, weiteren Lebensweg.
00:26:07: Und ich freue mich auf Begegnungen in der Zeunterwelt, Irina.
00:26:11: Ja, vielen Dank, Susanne und Lute.
00:26:13: Dankeschön.
00:26:15: Tschüss.
00:26:15: Tschüss.
00:26:16: Tschüss.
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